"Der Dr. Karl Renner Publizistikpreis
wird für das journalistische Lebenswerk vergeben. Dass er in diesem Jahr an einen jungen
Mann verliehen wird, ist eine große Ausnahme", betonte ÖJC-Präsident Fred Turnheim
die ganz besondere Auszeichnung des ORF-Journalisten Christoph Feurstein in seiner
Laudatio. Der Preis wurde daher auch nicht für das zuletzt für großes Aufsehen sorgende
Interview mit dem Entführungsopfer Natascha Kampusch vergeben, sondern für die
journalistische Leistung, acht Jahre lang alle Spuren und Details einer Geschichte
verfolgt, berichtet und damit ein Netzwerk an Gesprächspartnern und Informationen
geschaffen zu haben. Feurstein ist der erste Renner-Preisträger, dessen unmittelbares
Arbeitsthema nicht Wirtschaft oder Politik ist. Der Preis ist mit 7.000 Euro dotiert und
wird vom ÖJC vergeben.
Eine Ehrende Anerkennung der Jury wurde an
Cornelius Hell, Redakteur der Wochenzeitung "Die Furche" und an das ganze
Redaktionsteam vergeben. Begründet wurde dies unter anderem mit der Wichtigkeit der
Meinungsvielfalt in Österreich und der Courage des Teams, "sich auch unbeliebt zu
machen", wie Turnheim aus einer Replik auf den verstorbenen Spiegel-Gründer Rudolf
Augstein zitierte.
Am 15. Mai, feierte der Österreichische
Journalisten Club im geschichtsträchtigen Rahmen des Marmorsaals im Oberen Belvedere sein
30-jähriges Bestehen. In einer Grußbotschaft würdigte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer
die Arbeit des ÖJC "als bedeutendes journalistisches Kompetenzzentrum und führende
österreichische Medienplattform".
In seiner Festrede wies der österreichische
Medienprofi und derzeitige RTL-Berater Hans Mahr auf die Gefahren der neuen Technik für
den traditionellen Journalismus hin: Durch die Möglichkeit, journalistische Arbeiten in
Echtzeit auf ihre Akzeptanz bei der Leserschaft zu überprüfen, sei einem neuen
Populismus Tür und Tor geöffnet. Außerdem forderte er bei den Journalisten "mehr
Beweglichkeit" ein, sowohl regional als auch fachlich.
Der ÖJC vertritt derzeit rund 5.000
Mitglieder, betreibt das Vienna International Press Center in der Wiener Innenstadt und
arbeitet am Aufbau einer Organisation zur praxisorientierten Journalistenausbildung.
Eines der wesentlichen Anliegen und eine
wichtige Aufgabe des ÖJC ist die Vergabe der wichtigsten heimischen Auszeichnungen für
Journalisten, darunter den "Dr. Karl Renner Publizistikpreis" für das
journalistische Lebenswerk, den "Prof. Claus Gatterer Preis" für
überdurchschnittliche Beiträge für den österreichischen und Südtiroler Journalismus
und den noch jungen New Media Journalism Award, der 2006 in Zusammenarbeit mit der Telekom
Austria ins Leben gerufen wurde - für journalistische Leistungen im Bereich der Neuen
Medien.
Der New Media Journalism Award ging in diesem
Jahr an den Standard-Redakteur Helmut Spudich für seine langjährige hervorragende Arbeit
im Bereich der Neuen Medien und seinen Top-Blogg "Politburo". Das Preisgeld
beträgt 3.000 Euro.

Fotos:
Hermine Haslinger |