In
Sexten in Südtirol wurde am Freitag, 26. Juni 2009 der heurige Prof. Claus
Gatterer-Preis des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC) an den
Südtiroler Dokumentarfilmer Karl Prossliner überreicht. Der Preis ist mit
5.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr vom ÖJC abwechselnd in Südtirol und
in Österreich vergeben.
Der Preis erinnert an den Publizisten Claus Gatterer, der in Sexten geboren
wurde und in Österreich und Südtirol journalistisch tätig war. Seit seinem
Todesjahr 1984 wird nun der Prof. Claus Gatterer-Preis vom ÖJC vergeben.
ÖJC-Präsident und Gatterer-Preis-Initiator Fred Turnheim erinnert in seiner
Rede im Haus Sexten an die Geburtsstunden des einzigen Preises der gemeinsam
von österreichischen und Südtiroler Journalisten für Publizisten in beiden
Ländern vergeben wird.
Vor
der Preisverleihung kam es allerdings zu einem Eklat mit den Carabinieri. Im
Rahmen einer Protestveranstaltung vor dem Haus Sexten wegen eines
Ortsumfahrungsprojektes in Südtirol wurden Pressefotografen bei ihrer
Berichterstattung über diese Demonstration von den Carabinieri behindert.
ÖJC-Präsident Fred Turnheim protestierte im Rahmen der
Gatterer-Preis-Verleihung gegen diesen Polizeieinsatz gegen Journalisten.
ÖJC-Vizepräsidentin Elisabeth Gardavsky und ÖJC-Präsident Turnheim wiesen in
ihren Reden auf die Unteilbarkeit der Menschenrechte hin und skizzierten die
Gefahren, die in den modernen Industrieländern bestehen, um die
Pressefreiheit einzuschränken, wie auch das aktuelle Beispiel zeigte.
In
Vertretung des verhinderten Südtiroler Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder
nahm der Landesrat für ladinische Sprache und Bauten, Dr. Florian Mussner an
der Feierstunde teil. Mussner beschäftige sich in seiner Rede kritisch mit
der Frage, ob Journalisten bzw. Medien wirklich die "vierte Gewalt" im
Staate sind. Das Wechselspiel der politischen Kräfte sei aber auf die Medien
angewiesen. Der Landesrat bedankte sich für die langjährige gute
Zusammenarbeit mit dem ÖJC.
"Die Gesellschaft braucht engagierte Journalisten, weil sie objektive
Informationen braucht", sagte Mussner.
Mit
dem heurigen Preisträger Karl Prossliner wird ein Filmemacher ausgezeichnet,
der eine besonders sensible Bildsprache für den Dokumentarfilm entwickelt
hat. "Karl Prossliner ist spröde und herzlich. Er hat die besondere Gabe -
Ehrlichkeit - eine Eigenschaft die in unserer heutigen Gesellschaft beinahe
verloren gegangen ist." Diese Ehrlichkeit zeichnet auch seine Filme aus,
unterstrich Fred Turnheim in seiner Laudatio auf den Preisträger.
Karl Prossliner wurde 1953 in Mals im Vintschgau geboren und ist in Naturns
aufgewachsen. Heute lebt er in Meran, mit Lebensgefährtin und zwei Kindern.
Prossliner arbeitet für den RAI-Sender Bozen, 3sat und den ORF.
Im Rahmen der Feierstunde fand auch ein kurzes Gedenken an Claus Gatterer
statt, der vor 25 Jahren gestorben ist.
Die
Preisverleihung fand in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sexten statt.
Vielen Dank gebührt dem Sextener Bürgermeister Fritz Egarter.
>
Laudatio von ÖJC-Präsident Fred Turnheim
> Dankesrede von
Preisträger Karl Prossliner
Fotos: Herbert Koczera