Als einen massiven Vorstoß
gegen die Presse- und Informationsfreiheit im Rahmen der
Berichterstattung über die Arbeit der EU-Kommission sieht der
Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs
(ÖJC),
Fred Turnheim, die Gedanken von Verwaltungskommissar Siim Kallas,
dass Journalisten bei Ihrer
Berichterstattung Spione fremder Mächte sind.
„Journalisten der Spionage
zu bezichtigen ist unerhört und widerspricht der Presse- und
Informationsfreiheit“, so Turnheim in einer Aussendung des ÖJC am
Freitag.
Zuvor hat der Brüsseler
Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) berichtet,
es gebe einen Vermerk der EU-Kommission, wonach Journalisten
generell unter Spionageverdacht gestellt würden. Der knieweiche
Versuch der Sprecherin von Kommissar Kallas, Valeria Rampi, diesen
Vermerk zu entschärfen und zu betonen „es geben keinen
Generalverdacht gegen Journalisten“ ist viel zu wenig, sagt
Turnheim weiter.
Die Situation ist ganz
einfach: Wenn die Brüsseler Bürokraten so viel Angst vor der freien
Berichterstattung haben, dann werden wir Journalisten uns genau
anschauen, welche Hintergründe es dafür gibt. Politik im
Elfenbeinturm zu machen und dann die Presse- und
Informationsfreiheit einzuschränken zeigt von einem herrschaftlichen
Denken und noch nicht abgelegten alten,
undemokratischen Strukturen im Kopf des Verwaltungskommissars.
Der Österreichische
Journalisten Club fordert von Verwaltungskommissar Siim Kallas die
sofortige, vollständige Rücknahme der Pauschalverdächtigung der
Spionage der 1.500 in Brüssel tätigen Journalisten und eine
öffentliche Entschuldigung.
Der Präsident der
Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, wird dringend ersucht,
derartigen Versuchen der Aushöhlung der Presse- und
Informationsfreiheit Einhalt zu gebieten. „Ein freies, demokratisches
Europa ist ohne
Presse-
und
Informationsfreiheit
unvorstellbar“, stellt ÖJC-Präsident Fred Turnheim abschließend
fest.