Nach der wohl umfangreichsten Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP),
die je in Österreich stattgefunden hat gehen die Bauarbeiten für die
380kV-Freileitung der APG-Austrian Power Grid Ende Juni einem
Abschluss entgegen.
Bereits 1982 gab es erste Trassenüberlegungen, den Hochspannungsring
um Österreich zwischen dem Burgenland und der Steiermark zu
schließen. Gerade derartige Projekte, welche das Landschaftsbild
markant verändern, sind in der Bevölkerung nicht unumstritten.
Zwischen 2003 und 2005 wurde die UVP mit zahlreichen öffentlichen
Verhandlungen und Bürgerbeteiligung der 38 betroffenen Gemeinden
durchgeführt, welche im Juli 2007 mit einem abgelehnten Antrag auf
aufschiebende Wirkung durch die Höchstgerichte rechtskräftig positiv
ausfiel.
Die sich formende Bürgerbewegung nach Zwentendorf und Hainburg hat
ein Umdenken bei derartigen Projekten eingeleitet wobei erwähnt
werden muss, dass versucht wurde, den Eingriff in die Landschaft so
schonend wie möglich durchzuführen und Siedlungsgebiete zu umfahren.
Dass derartige Leitungen immer eine gewisse
Landschaftsbeeinträchtigung darstellen ist kein Geheimnis aber es
gilt abzuwägen, ob die Versorgungssicherheit der Gesamtbevölkerung
durch derartige landschaftsbeeinträchtigende Maßnahmen
rechtzufertigen sei.
Über 160 Auflagen galt es einzuhalten wie z.B.: spezielle schwarz/weisse
Vogelschutzkugeln an den Leiterseilen, um den Vogelzug nicht zu
stören. Laut APG-Mitarbeiter soll gerade die männliche Waldschnepfe
im Balzflug durch diese Kugeln gewarnt werden.
Die knapp 100km lange und 230 Millionen Euro teure Leitung besteht
aus 341 Masten des ca. 40m hohen ‚Donautyps‘, welche streckenweise
sogar eine 110kV-Trasse ersetzt und sowohl 380 kV, als mit 110 kV
–Leitungen führt. Dadurch wird es möglich, eine alte 110
KV-Leitungen abzubauen.
Die ÖJC-Exkursion begann im Umspannwerk Wünschendorf bei Gleisdorf,
wo aus der 380kV-Leitung ein Abzweig hergestellt und ein neues
Umspannwerk errichtet wurde. Der Trafo, der von 380kV auf 110 kV
abspannt, stammt aus dem Werk Weiz und hat eine Leistung von 300 MVA.
Mit dieser 110 kV-Leitung soll die Stadt Graz versorgt werden.
Die Leitung führt zwei 380 kV Drehstromsysteme mit je 3 Phasen und
oben ein Erdungsseil, welches als Blitzschutz dient und auch ein
Glasfaserkabel innen mitführt, das für Telekommunikationszwecke
genutzt wird. Jede Phase besteht aus 3 im Dreieck gezogene
Einzelseile, daher spricht man auch von ‚Dreier-Bündelleitung‘.
Weiters wurden die Leitungszugarbeiten entlang der Trasse
besichtigt, wo zuerst ein Nylonkabel auf die provisorischen Rollen
auf den Masten eingezogen wird. Danach wird ein massives
Stahlvorzugkabel nachgezogen, welches dann die definitiven
Aluminium-Stahlkabel von großen Kabeltrommeln am Boden von Mast zu
Mast zieht. Dann bleiben die Leiterseile ca. 2 Wochen in den Rollen,
bis sie dann nach Einstellung des Durchhangs fix auf die
Isolatorarmaturen geklemmt werden. Anschließend fahren die Monteure
mit kleinen Wagen auf den Kabeln entlang und montieren die
Abstandhalter für die sogenannten ‚Dreier-Bündelleiter‘.
Als Besonderheit gilt der Streckenteil, wo ein 110
kV-Drehstromsystem am Mast zusätzlich verlegt wurde. Dabei verläuft
die dritte Phase durch den Mast durch ein trapezförmiges Loch durch,
welches mit Isolatoren als Abstandhalter das Seil befestigt und ein
Anschlagen bei Wind und Behang verhindert.
Letzte Station war ein Feld nahe dem Umspannwerk Rotenturm im
Burgenland, wo die letzten Masten ‚gestockt‘ werden. Dabei werden
die Einzelteile wie bei einem Bauhaus-Regal angeliefert und an Ort
und Stelle durch Monteure zu Mastteilen zusammengeschraubt, die auf
die fertig betonierten Fundamente Teil auf Teil geschraubt werden.
Dazu werden die Einzelteile mit einem Autokran hochgehoben.
Die gesamte Leitung hat eine hohe österreichische Wertschöpfung, da
die Masten, Trafos, Isolatoren und Leiterseile überwiegend in
Österreich gefertigt und durch 4 österreichische Firmen errichtet
wird.
Die umstrittenste Freileitung Österreichs soll Ende Juni erstmals
unter Spannung gesetzt werden und ab September 2009 in Betrieb
gehen.
Text und Bilder:
Norbert Welzl
