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Journalisten haben (k)eine Zukunft

Ergebnisse einer Podiumsdiskussion im ÖJC

Nicht die Medien sind unter Druck, sondern die Weltwirtschaft. Mit diesem Statement eröffnete DDr. Horst Pirker, Styria, in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes österreichischer Zeitungen (VÖZ) die ÖJC-Podiumsdiskussion über das provokante Thema: "Österreichs Medien haben (k)eine Zukunft" am Montag, 16. März 2009 im mit rund 100 Journalisten aus dem In- und Ausland voll besetzten Vienna International Press Center des ÖJC.

Pirker führt aus, angesichts der Tatsache, dass eine Verminderung der bezahlten Kommunikation die am schnellsten wirkende Kostenbremse für Wirtschaftstreibende bilde, sei die Situation der österreichischen Printmedien - auch im internationalen Vergleich - gut. Das erspare der Medienbranche aber keineswegs einen Wechsel ihres bereits "überdehnten" Systems.

Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer Rundfunk der RTR GmbH, sieht seinen Bereich der Medienwelt, die privaten Sender, ebenfalls positiv. Vor allem Hörfunk-Sender mit lokalen Nachrichten im Halb-Stunden-Takt hätten ein interessierten Publikum.

Dr. Alexander Wrabetz sprach als Generaldirektor des ORF für den öffentlichrechtlichen Rundfunk, aber auch für einen der erfolgreichsten Internet-Auftritte Österreichs. Der ORF habe keine Bankschulden und könne die Verluste des Jahres 2008, die zum Teil aus Investitionen entstanden seien, aus Reserven decken. Dennoch fühle auch sein Institut den größten Einbruch der Werbeetats seiner Firmengeschichte. Dazu komme der Abfluss von Geld durch "Werbefenster" ausländischer  Fernsehprogramme.

Wrabetz relativiert den Verlust des Jahres 2008 durch Vergleich mit jenen 240 Millionen Euro, die von Bund und Ländern aus den ORF-Gebühren kassiert werden. "Dieses Geld fehlt dem ORF", erklärt er. Dazu komme noch der Ausfall von 57 Millionen Euro durch Sozialgesetze, die Gebühren-Befreiungen vorsehen.

Zur Frage der Zukunft malt Pirker ein düsteres Bild. Schon heute gebe es "verlegerische Praktiken jenseits meiner Behaglichkeitsgrenze." Er meint damit nicht nur den Verkauf redaktionellen Raumes für nicht gekennzeichnete Werbung, sondern auch Erpressungs-Versuche mit kritischer Berichterstattung gegenüber Firmen, die nicht werben wollen. Eine bessere Form der Steuerung der öffentlichen Meinung als die heutigen Medien sei für ihn denkbar.

Auch Wrabetz sieht die Zukunft der herkömmlichen Medien düster. Die technische Entwicklung schaffe Werbeformen, die an der klassischen Werbung vorbei gehen. Er weiß aus Erfahrung, wovon er spricht. Obwohl der Internet-Auftritt des ORF stark sei, gebe es Probleme mit der Werbung. Auch für Video on Demand, also Fernsehen mit freier Wahl der Inhalte, sei die Finanzierung problematisch.

Dazu kämen ganz neue Formen des Informations- und werbefreien Medienkonsums durch Podcast. Wrabetz: "Darüber denken wir Tag und Nacht nach." Die Gefahr sei, dass der Hörfunk zur bloßen Quelle für Downloads absinke.

Die Zukunft sieht Pirker in den "drei M": Multimedia, Multichannel und Multiplattform. Dies werde die bisherigen Gattungen der Medien ersetzen. Die neue Währung der Informationsgesellschaft seien Zeit und Aufmerksamkeit, nicht mehr Geld.

Dem widerspricht Wrabetz. Super-Content könne auch heute Superpreise erzielen, wie die Olympischen Spiele beweisen. Irrationale Geldflüsse, die er logisch nicht nachvollziehen könne, hielten darüber hinaus Medien am Leben, die eigentlich nicht lebensfähig seien.

In seinem Schlusswort kam ÖJC-Präsident Fred Turnheim auf das Anliegen der ÖJC-Mitglieder zu sprechen, nämlich die Rolle und die Zukunft des Journalismus. Er betonte, dass in allen Medien Menschen nötig seien, die für die Inhalte sorgten, und erinnert an den Aufruf des ÖJC zur Wahrung der Ethik im Zusammenhang mit dem unter großem Medienecho laufenden Strafprozess in St. Pölten.

Die gesamte Veranstaltung können Sie im Internet als Podcast sehen.

Text: Dr. Herbert Laszlo
Foto: Hermine Haslinger